Neue Entra-ID-Unterstützung in ADSelfService Plus: Mehr MFA, Self-Service und Passwortsicherheit

Neue Entra-ID-Unterstützung in ADSelfService Plus: Mehr MFA, Self-Service und Passwortsicherheit

ManageEngine hat die Unterstützung von Microsoft Entra ID in ADSelfService Plus offiziell veröffentlicht. Damit können Unternehmen, die Entra ID oder hybride Entra-ID-/Active-Directory-Umgebungen nutzen, zusätzliche Self-Service- und Sicherheitsfunktionen einsetzen.

Besonders relevant ist die neue Unterstützung für Kunden, die über die nativen Funktionen von Microsoft Entra ID hinaus erweiterte MFA-, Passwort- und Endpoint-Security-Funktionen benötigen.

Zu den wichtigsten Neuerungen zählen MFA für Windows-Logins, UAC-Abfragen, System Unlock und RDP-Zugriffe auf Entra-ID-joined und hybrid-joined Geräten, Offline-MFA sowie erweiterte Passwortregeln mit Regex-Prüfungen, Dictionary Checks und Echtzeit-Passwortstärkeanalyse.

Ausgangssituation

Microsoft Entra ID, früher Azure AD, ist eine cloudbasierte Identity- und Access-Management-Plattform. Sie bietet unter anderem Single Sign-on, Multi-Faktor-Authentifizierung, Self-Service Password Reset, Conditional Access und hybride Identitätsintegration.

ADSelfService Plus ist eine Identity-Security- und Self-Service-Lösung von ManageEngine. Sie erweitert bestehende AD- und Entra-ID-Umgebungen um zusätzliche Funktionen wie adaptive MFA, SSO, Passwort-Self-Service, Passwortsynchronisierung, erweiterte Passwortregeln und Endpoint-Schutz.

Wann ist ADSelfService Plus zusätzlich zu Entra ID sinnvoll?

ADSelfService Plus ist besonders interessant, wenn Kunden bereits Microsoft Entra ID verwenden, aber zusätzliche Anforderungen haben, zum Beispiel:

  • MFA direkt am Windows-Login
  • MFA bei UAC-Abfragen, System Unlock oder RDP-Zugriffen
  • Offline-MFA auf Windows-Endgeräten
  • Unterstützung zusätzlicher Authenticator-Methoden
  • bis zu drei Authentifizierungsfaktoren in einem MFA-Workflow
  • granulare MFA- und SSPR-Richtlinien für hybride Umgebungen
  • erweiterte Passwortregeln mit Regex, Wörterbuchprüfungen und Zeichenfolgenbeschränkungen
  • Passwortsynchronisierung zu integrierten Unternehmensanwendungen

Wichtige Unterschiede im Überblick

1. Multi-Faktor-Authentifizierung

ADSelfService Plus unterstützt laut Vergleich bis zu drei Authentifizierungsfaktoren innerhalb eines MFA-Workflows. Microsoft Entra ID arbeitet typischerweise mit einem zweistufigen Ablauf aus primärer und sekundärer Authentifizierung.

ADSelfService Plus bietet außerdem eine breite Auswahl an Authentifizierungsmethoden, darunter:

  • Security Questions
  • E-Mail- und SMS-Verifizierung
  • Google Authenticator
  • Microsoft Authenticator
  • FIDO2 Passkeys
  • Duo Security
  • RSA SecurID
  • YubiKey Authenticator
  • biometrische Authentifizierung
  • QR-Code-basierte Authentifizierung
  • benutzerdefinierte TOTP-Authentifikatoren
  • Backup Codes

Entra ID bietet ebenfalls starke Authentifizierungsmethoden, darunter Windows Hello for Business, FIDO2, Microsoft Authenticator, Certificate-Based Authentication, OATH Tokens, SMS, Voice Call, Temporary Access Pass und externe Authentifizierungsmethoden.

Der Unterschied liegt daher weniger darin, dass Entra ID keine MFA bietet, sondern darin, dass ADSelfService Plus zusätzliche Flexibilität und weitere Authenticator-Optionen bereitstellt.

2. Endpoint-MFA für Windows

Ein wesentlicher Mehrwert von ADSelfService Plus ist die Absicherung direkt am Windows-Endpunkt.

ADSelfService Plus kann MFA unter anderem für folgende Szenarien bereitstellen:

  • Windows Login
  • lokale Benutzerkonten
  • UAC-Abfragen
  • System Unlock
  • unterstützte RDP-Zugriffe
  • Offline-MFA für Windows-Endgeräte

Microsoft Entra ID fokussiert stärker auf Cloud- und Applikationszugriffe. Conditional Access greift bei Anmeldungen an Anwendungen und Cloud-Ressourcen, nicht als separate zentrale MFA-Abfrage direkt am lokalen Windows-Login.

Damit ist ADSelfService Plus besonders relevant, wenn ein Kunde nicht nur Cloud-Logins, sondern auch lokale Endgeräte-Anmeldungen zusätzlich absichern möchte.

3. Self-Service Password Reset und Account Unlock

Beide Lösungen unterstützen grundsätzlich Self-Service Password Reset.

ADSelfService Plus bietet dabei flexible Optionen wie:

  • webbasierten Passwort-Reset
  • Passwort-Reset über mobile App
  • Passwort-Reset vom Windows-Login-Bildschirm
  • Passwortänderung
  • Passwort-Reset-Benachrichtigungen
  • Account Unlock

Bei Entra ID hängt der Funktionsumfang stark von der Lizenz und der Umgebung ab. In reinen Cloud-Umgebungen ist ein eigenständiger Account Unlock ohne Passwort-Reset nur eingeschränkt beziehungsweise nicht wie in klassischen AD-Szenarien verfügbar. In hybriden Umgebungen sind zusätzliche Voraussetzungen wie Password Writeback relevant.

4. Erweiterte Passwortregeln

ADSelfService Plus bietet deutlich granularere Möglichkeiten bei Passwortregeln. Dazu zählen:

  • konfigurierbare minimale und maximale Passwortlänge
  • anpassbare Komplexitätsregeln
  • Regex-basierte Passwortregeln
  • Wörterbuchprüfungen
  • eigene Blocklisten
  • Einschränkungen für Zeichenfolgen
  • Echtzeit-Passwortstärkeanalyse
  • Schutz vor kompromittierten Passwörtern über externe Integrationen

Microsoft Entra ID bietet ebenfalls Passwortschutz, unter anderem über Microsofts globale Banned-Password-Liste und optionale Custom Banned Password Lists. Viele Details wie die minimale Passwortlänge oder bestimmte Komplexitätsregeln sind bei Cloud-Benutzern jedoch weniger granular konfigurierbar.

5. Single Sign-on

Beide Lösungen unterstützen SSO.

Microsoft Entra ID ist dabei der primäre Identity Provider für Microsoft 365, SaaS-Anwendungen und moderne Cloud-Anwendungen.

ADSelfService Plus kann als SSO-Portal für SAML-basierte Unternehmens- und Custom-Anwendungen dienen und parallel zur bestehenden AD- oder Entra-Infrastruktur betrieben werden. Dadurch eignet es sich besonders als ergänzende Lösung, wenn zusätzliche SSO-Szenarien oder ein zentrales Portal für bestimmte Anwendungen gewünscht sind.

6. Passwortsynchronisierung

ADSelfService Plus kann Passwörter bei Reset oder Änderung mit integrierten Unternehmensanwendungen synchronisieren. Das ist besonders in Umgebungen hilfreich, in denen nicht alle Anwendungen vollständig über Entra ID föderiert sind oder weiterhin separate Zugangsdaten verwenden.

Lizenz- und Kostenaspekt

Laut Vergleich kann es für bestimmte erweiterte Sicherheits- und Self-Service-Funktionen erforderlich sein, bei Microsoft auf höhere Entra-ID-Lizenzstufen wie P1 oder P2 zu gehen. ADSelfService Plus kann in solchen Szenarien eine kosteneffiziente Ergänzung sein, wenn gezielt Funktionen wie erweiterte SSPR, Endpoint-MFA oder granulare Passwortregeln benötigt werden.

Die konkrete Lizenzbewertung sollte aber immer anhand der vorhandenen Microsoft-Lizenzen, der Benutzeranzahl und der gewünschten Funktionen erfolgen.